| ||||||||||||||
Bericht von: | ||||||||||||||
Welchen Beitrag haben die Deutschen Historischen Institute im Ausland für die Internationalisierung der Geschichtswissenschaften geleistet? Welche auch kulturpolitischen Aufgaben können sie in Zukunft übernehmen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer gemeinsam an der Berliner Humboldt-Universität durchgeführten Tagung des Deutschen Historikerverbandes und der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland. Direktoren und Vertretern der DHIs in London, Paris, Rom, Washington, Warschau und Moskau sowie des Istanbuler Orientinstituts informierten zudem über die Arbeit ihrer Institute und dort aktuell laufende Forschungsprojekte. In einem Impulsreferat verwies Prof. Jürgen Kocka, FU Berlin darauf, dass die Geschichtswissenschaften im 19. Jahrhundert im Kontext der kulturellen und politischen Nationenbildung entstanden seien und sich enge Allianzen mit aufkommenden Nationalstaaten herausgebildet hätten. Dies wirke bis in die Gegenwart fort, so dass vor allem quantitativ eine nationalgeschichtlich ausgerichtete Historiographie weiterhin überwiege. Eine zugleich kritisch betriebene Nationalgeschichtsschreibung sei kein bloßer "Anachronismus". Fortschritte in den Geschichtswissenschaften hätten indessen jedoch zur Herausbildung einer stärker transnationalen und globalen Perspektive geführt. Dazu beigetragen hätten ein verstärkt komparatives Arbeiten und das Aufzeigen von transnationalen Verflechtungen, wobei sich beide neue Methoden ergänzten. Der vergleichende Blick von "Außen" trage häufig zu einer besseren Erkenntnis und adäquateren historischen Bewertung auch von eher internem, nationalgeschichtlich zu erfassendem Geschehen bei.[1] Nicht zuletzt im Zeichen einer Wende hin zur Globalgeschichte, eines ,global turn' und vermehrter ,area studies' forderte Kocka dann konkret eine verbesserte auch interdisziplinär angelegte Zusammenarbeit zwischen den Deutschen Auslandsinstituten und dem Historikerverband. Neben der Erschließung von Quellen und empirischen Forschungen vor Ort gehe es darum, als Beitrag zur Internationalisierung der Geschichtswissenschaften vermehrt deutsche Forschungen in den Gastländern und Forschungen aus den Gastländern in Deutschland bekannt zu machen. Die von Prof. Simone Lässig moderierte Vorstellung der Arbeit der DHIs wie auch die schriftlich vorliegenden Jahresberichte [2] wiesen zumindest in die von Prof. Kocka aufgezeigte Richtung. Allerdings standen transnationale Bezüge und international-globale Verflechtungen bei den präsentierten Forschungsprojekten der DHIs nicht durchgängig im Vordergrund und einige angeführte Themen waren zudem eher speziell. Meist positiv, dabei aber etwas affirmativ fielen auch Einschätzungen der Tätigkeit und des Wirkens von DHIs durch Historiker aus Gastländern aus. Teils von persönlichen Erfahrungen ausgehend plädierten Nachwuchshistorikerinnen und -historiker ihrerseits für mehr Kooperation mit deutschen Universitäten. Insbesondere die "Türöffnerfunktion" der Institute, deren Serviceleistungen und deren Hilfestellung bei Forschungsprojekten stellte Prof. Michael Matheus vom DHI in Rom heraus. Als weiterführend fiel u.a. die von Dr. Richard Wittmann vorgestellte Konzeption des Orient-Instituts in Istanbul auf, das bereits stärker auf interdisziplinäre Vernetzung und Austausch setzt. In der Abschlussdiskussion provozierte der Moderator Jürgen Kaube von der FAZ mit der Frage, inwieweit bilaterale DHIs überhaupt weiterhin benötigt würden und ob sich deren Auftrag nicht erledigt haben könnte. Dagegen verwies Prof. Jörg Barbarowski von der HU Berlin auf die DHIs als "Begegnungsorte" und ihre bleibende "Brückenfunktion" in der Wissenschaftskultur, auch durch angebotene Kolloquien. PD Dr. Ulrike Lindner, Bielefeld forderte allerdings eine stärkere zugleich multilaterale Vernetzung der DHIs untereinander, zumindest in Europa und im Blick auf die europäische Geschichte. Die Internationalisierungsbestrebungen der Geschichtswissenschaften waren für Dr. Hans-Gerhard Husung von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz sogar ein Argument dafür, neue Weltregionen durch weitere Institute zu erschließen. - Prof. Heinz Duchardt verwies als Vorsitzender des Stiftungsrates der Deutschen Geisteswissenschaftlichen Institute im Ausland darauf, dass es bereits Anfragen beim Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Einrichtung von europäischen Instituten etwa in China, Indien, Lateinamerika und Afrika gebe. Die Staatsekretärin im Ministerium, Cornelia Quennet-Thielen hatte in ihrem Grußwort zu Beginn den erheblichen Beitrag der Geschichtswissenschaften zu der auch kulturpolitischen Arbeit deutscher geistes- und sozialwissenschaftlicher Auslandsinstituten herausgestellt. Eine Lehre aus der Tagung müsse sein, so Duchardt abschließend, den Einfluss der DHIs auf die deutsche Geschichtswissenschaft durch einen verbesserten wechselseitigen Austausch zu verstärken. Prof. Werner Plumpe betonte für den Deutschen Historikerverband die Notwendigkeit der "Dauerhaftigkeit" der Institute als einer "Bedingung der Möglichkeit gelingenden Forschens". Programm
Grußwort: Sts. Cornelia Quennet-Thielen, BMBF 10:30 h Impulsreferat
11:00 h Aufgabenstellung und Zielsetzung der Deutschen Historischen Institute: Prof. Dr. Heinz Duchhardt 11:30 h Die Bedeutung der DHIs als außeruniversitäre Forschungsinstitute aus Sicht der Historikerinnen und Historiker in Deutschland: Prof. Dr. Werner Plumpe 13:00 h- 15:00 h Panel I: Jahresthemen - Forschungsschwerpunkte: Die wissenschaftlichen Profile der DHIs Internationale Stimmen:
Direktoren der DHI's
Moderation: Prof. Dr. Simone Lässig, Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung 15:00 h - 15:30 h Panel II: Karrieresprungbrett oder Endstation? - Die Rolle der DHIs bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses Dr. Martin Kohlrausch, Dilthey-Fellow der VolkswagenStiftung, Ruhr-Universität Bochum
15:30 h-16:00 h Panel III: Türöffner und Schaufenster - Die Bedeutung der DHIs als Serviceeinrichtung PD Dr. Marcus Gräser, DHI Washington
Moderation: PD Dr. Ulrike Lindner, Universität Bielefeld 16:30 h Abschlussdiskussion: Nationale, bilaterale oder internationale Geschichtswissenschaft? Die DHIs und die Internationalisierung der historischen Wissenschaften Prof. Dr. Andreas Beyer, DFK Paris
Moderation: Jürgen Kaube, Frankfurter Allgemeine Zeitung 18:00 h Zusammenfassung und Perspektiven
Anmerkungen:
| ||||||||||||||
| ||||||||||||||
Copyright (c) 2011 by H-Net and Clio-online, all rights reserved. This work may be copied and redistributed for non-commercial, educational use if proper credit is given to the author and to the list. For other permission, please contact H-SOZ-U-KULTH-NET.MSU.EDU.