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Rezensiert für Clio-online und H-Soz-u-Kult von: | ||||||||
Die Hauptaufgabe des PHP besteht darin, bislang unbekannte Dokumente zu den Aktivitäten der NATO und des Warschauer Pakts aufzufinden und sie im Internet zu veröffentlichen. In einer Linkliste sind die konsultierten Archive aufgeführt. Die zeitliche Einordnung der Dokumente reicht von den Anfangsjahren des Warschauer Pakts und der NATO bis zum Beginn der 1990er-Jahre, mit einem Schwerpunkt auf den 1950er und 1960er-Jahren. Kernstück der Kollektion sind sicherlich die Dokumente zu den alljährlichen Treffen der Parteiführer, Verteidigungs- und Außenminister des Warschauer Pakts bis zum Jahre 1990. Aus dem NATO-Archiv ist der Harmel-Bericht 1966/67 in umfangreicher Form zugänglich gemacht. Weitere gewichtige virtuelle "Aktenbündel" sind russische Quellen zur Berlin-Krise 1961, Kriegspläne des Warschauer Pakts aus den Jahren 1964 und 1965, regionale operative Planungen der polnischen und ungarischen Armee sowie Dokumente zu den Binnenstrukturen des Warschauer Pakts aus bulgarischer, rumänischer, ungarischer und vereinzelt sogar chinesischer Perspektive. Zu den auf der PHP-Website veröffentlichten Quellen zählen nicht nur Archivdokumente: Mitarbeiter des Projekts führten in den vergangenen Jahren Zeitzeugen-Interviews mit ehemaligen Generälen des Warschauer Pakts durch. Nach Polen und der ehemaligen Tschechoslowakei sind entsprechende Interviews mit NVA-Generälen geplant. Die überwiegende Zahl der Dokumente stammt aus Archiven in Mittel- und Osteuropa, dagegen befinden sich an NATO-Quellen in der PHP-Sammlung außer dem Harmel-Bericht nur noch einige deklassifizierte amerikanische und britische Akten zur militärischen Planung der NATO. Dies mag mit der besseren Zugänglichkeit zu den Archiven in den etablierten Demokratien Westeuropas und Nordamerikas sowie der rege betriebenen Veröffentlichung einschlägigen Quellenmaterials, beispielsweise der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, zu erklären sein. Lohnend wäre hier eine kurze Übersicht über entsprechende Editionsprojekte.
Mit seinem thematischen Ansatz und in der bisherigen geographischen Schwerpunktbildung weist das PHP unverkennbare Parallelen zum Cold War International History Project [1] auf. Unterschiede bestehen in der inhaltlichen Zusammensetzung und der wissenschaftlichen Erschließung der Quellen.
Bei den Dokumenten handelt es sich in der Regel um eingescannte Schwarz-Weiß-Kopien der Originaldokumente. Die Bildqualität der Scans, die ebenfalls im PDF-Format zur Verfügung gestellt werden, ist gut bis zufrieden stellend, die Ladezeiten sind erfreulich schnell. Den Dokumenten in der Originalsprache ist zumeist eine Übersetzung in Englisch oder Deutsch, manchmal auch - je nach Bearbeiter - in einer weiteren Sprache beigegeben. In einigen Fällen begnügen sich die Editoren mit einer kurzen englischen Zusammenfassung, die zwar eine Identifizierung des Dokumenteninhalts, kaum aber eine eingehende Interpretation ermöglicht. Für einzelne Dokumente gibt es keine Übersetzung in westliche Sprachen. Die Scans sind leider nicht mit einer Suchfunktion erschlossen, während die Einleitungen, Übersetzungen, Zusammenfassungen, Zeitzeugeninterviews und übrigen Begleittexte zu den Dokumentensammlungen mit einer Suche nach dem Google-Prinzip schnell und leicht erfasst werden können.
Die weiteren Bereiche auf der PHP-Website wie "Research" und "Services" stehen hinter dem Quellenteil quantitativ deutlich zurück. In den Unterrubriken "Research Overview", Area Studies" und "Book Reviews" finden sich einzelne Aufsätze und Vortragstexte, die unter Überschriften wie "Mutual Perceptions" und "Relations with Allies" eingruppiert sind sowie einige Texte, an die sich wissenschaftliche Debatten oder Interviews mit Zeitzeugen anschließen wie bei den Dokumentensammlungen. Unter Buchbesprechungen sind rund zwanzig Werke aufgelistet, die seit 1998 in einer der Foren des H-Net besprochen wurden, vorwiegend in H-Soz-u-Kult, H-Diplo, H-Peace oder HABSBURG. Umfassender ist die unter "Service" angebotene und zuletzt im August 2004 aktualisierte "Selective Bibliography on the Cold War Alliances", daneben findet sich eine Publikationsliste von PHP-Mitarbeitern. Merkwürdigerweise stößt die bei den Quellensammlungen einwandfrei arbeitende Suchfunktion im Forschungs- und Serviceteil auf Grenzen: Selbst die Eingabe von Autorennamen führt nicht zu den dazugehörigen Beiträgen. Das Projekt verfolgt den Anspruch, neue Erkenntnisse zur Geschichte des Kalten Kriegs nicht nur der Fachwissenschaft, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der Rubrik "News" unter "Media Desk" finden sich die Medienberichte, auf die in den einleitenden Abschnitten zu den Dokumentensammlungen verwiesen wird, noch einmal an einem gemeinsamen Ort zusammengeführt. Berichte in mittel- und osteuropäischen Medien sind meist in einer englischen Übersetzung zugänglich gemacht. Pressemitteilungen des PHP finden sich unter "Press Releases". Schließlich bietet das PHP einen eigenen Newsletter zur Subskription an. Insgesamt wird allerdings stärker die Fachwissenschaft angesprochen: Dies zeigt die umfangreiche Dokumentation der seit dem ersten PHP-Workshop am 1. Oktober 1999 in Graz abgehaltenen Konferenzen des PHP und seiner Partner. Hier sind Konferenzberichte und Konferenzprogramme sowie Calls for Papers veröffentlicht. Der methodische Ansatzpunkt des Projekts liegt bei einer traditionell gehaltenen Militärgeschichte sowie der Politik- und Diplomatiegeschichte. Dies schlägt sich naturgemäß in der Auswahl der Archivalien nieder. Die sehr gute Darstellung und Erschließung der Quellen lässt aber genügend Spielraum auch für andere methodische Herangehensweisen und Fragestellungen: Mentalitätsgeschichte des Kalten Kriegs, Perzeptions- und Stereotypenforschung, kollektivbiographische Untersuchungen anhand der Zeitzeugen-Interviews oder Untersuchungen zur Geschichte der politischen Wende 1989/91 seien hier beispielhaft genannt. Mit der Bandbreite an Möglichkeiten, wie sie sich anhand des auf den PHP-Websites zusammengetragenen Quellenmaterials demonstrieren lässt, ist eine Verwendung dieser Internet-Ressource auch in der universitären Lehre gut vorstellbar. Anmerkungen:
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Diese Rezension entstand durch die Kooperation mit Clio-online www.clio-online.de/ | ||||||||
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